Liebe Leserin, lieber Leser,

ein Jahr nach dem Regie­rungs­wechsel ist es Zeit für eine Zwischen­bi­lanz. Ich schreibe nicht, um eine „Erfolgs­liste“ abzuhaken, sondern um ehrlich einzu­ordnen: Was hat sich unter der unions­ge­führten Bundes­re­gie­rung mit der SPD als Partner verändert, wo sehen wir erste Fortschritte – und wo müssen wir nachlegen? Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen das Gefühl haben, dass Dinge kompli­zierter statt einfacher werden, ist Vertrauen keine Frage von Worten, sondern von Ergeb­nissen.

Als Bundes­tags­ab­ge­ord­neter für Helmstedt, Wolfsburg, Brome und das Boldecker Land arbeite ich im Verkehrs- und im Landwirt­schafts­aus­schuss. Das sind zwei Schlüs­sel­be­reiche für unsere Region: Infra­struktur und Mobilität auf der einen Seite, eine starke Land- und Ernäh­rungs­wirt­schaft auf der anderen. Beides hängt eng zusammen – ohne verläss­liche Straßen, Schienen und Logistik gibt es keine wettbe­werbs­fä­higen Unter­nehmen und keine funktio­nie­rende Versor­gung; ohne wirtschaft­lich tragfä­hige Betriebe im ländli­chen Raum fehlt die Grundlage für Wertschöp­fung, Arbeits­plätze und Lebens­qua­lität.

Verkehr

Im Verkehr haben wir nach Jahren des Sanie­rungs­staus begonnen, Infra­struktur wieder zur Priorität zu machen. Bis 2029 sind Rekord­in­ves­ti­tionen angekün­digt; der Bundes­ver­kehrs­mi­nister spricht von einem Moder­ni­sie­rungs­jahr­zehnt. Das ist nicht nur eine Überschrift: Es sollen rund 170 Milli­arden Euro in die Verkehrs­in­fra­struktur fließen, davon mehr als 106 Milli­arden Euro in den Erhalt der Schie­nen­in­fra­struktur. Das Deutsch­land­ti­cket ist bis 2030 gesichert und wird von über 14,6 Millionen Menschen genutzt. Zugleich wird offen ausge­spro­chen, was viele im Alltag spüren: Sanierung bedeutet zunächst sehr viele Baustellen – allein bei der Bahn ist von rund 26.000 Baustellen die Rede. Selbst­kri­tisch gesagt: „Endlich Baustelle“ darf nicht das Ziel sein, sondern muss zu einem Ergebnis führen, das die Menschen wirklich merken – pünkt­li­chere Züge, verläss­liche Fahrpläne, weniger Störungen und bessere Kommu­ni­ka­tion. Daran wird sich die Verkehrs­po­litik messen lassen.

Für unseren Wahlkreis ist dabei ein Projekt von beson­derer Bedeutung: der Lücken­schluss der A39. Das ist kein abstraktes Berlin-Thema, sondern eine Frage von Verkehrs­si­cher­heit, Entlas­tung der Ortsdurch­fahrten, Erreich­bar­keit für Pendle­rinnen und Pendler sowie Stand­ort­qua­lität für Mittel­stand, Industrie und Landwirt­schaft. Ich setze mich im Verkehrs­aus­schuss dafür ein, dass baureife Projekte priori­siert werden und die A39 die nötige Aufmerk­sam­keit behält. Gleich­zeitig gilt: Akzeptanz entsteht nicht durch Parolen. Deshalb suche ich das Gespräch mit unter­schied­li­chen Akteuren, um tragfä­hige Lösungen zu erreichen – mit dem Ziel, Tempo zu machen, ohne berech­tigte Fragen von Umwelt- und Natur­schutz einfach wegzu­wi­schen. Wenn es gelingt, Konflikt­punkte frühzeitig zu klären, können Verfahren insgesamt schneller werden – und wir kommen zügiger zu einer Lösung, die unsere Region voran­bringt.

Mobilität muss dabei nicht nur funktio­nieren, sie muss auch bezahlbar bleiben. Angesichts der Preis­ent­wick­lung an den Tankstellen und der geopo­li­ti­schen Lage setze ich mich deshalb für eine zusätz­liche, aufkom­mens­neu­trale Entlas­tung ein: die zügige Einfüh­rung eines E20-Kraft­stoffs an deutschen Tankstellen. Wenn wir Preis­vor­teile ohne zusätz­liche Steuer­mittel heben können, ist das ein pragma­ti­scher Schritt – zugleich stärkt ein höherer Bioethanol-Anteil Versor­gungs­si­cher­heit, Klima­schutz und die Wertschöp­fung bei bioba­sierten Kraft­stoffen. Entschei­dend ist aus meiner Sicht: klare Regeln, Verbrau­cher­schutz und eine saubere techni­sche Einfüh­rung.

Landwirt­schaft

In der Landwirt­schaft ist der Kurswechsel ebenfalls erkennbar: Statt immer neuer Belas­tungen stehen Entlas­tung, Planungs­si­cher­heit und die Stärkung ländli­cher Räume im Mittel­punkt. Ein zentraler Schritt war die Rückkehr zur vollstän­digen Agrar­die­sel­ver­gü­tung seit dem 1. Januar 2026; damit werden Betriebe laut Unter­lagen jährlich um rund 430 Millionen Euro entlastet. In der angespannten Lage durch hohe Energie‑, Dünger- und Futter­mit­tel­preise wurden zusätz­liche Unter­stüt­zungen angestoßen, unter anderem ein Programm für Liqui­di­täts­hilfen über die Landwirt­schaft­liche Renten­bank. Auch die Auswei­tung der kurzfris­tigen Beschäf­ti­gung auf 90 Tage bezie­hungs­weise 15 Wochen hilft gerade arbeits­in­ten­siven Betrieben.

Genauso klar sage ich aber: Viele Landwir­tinnen und Landwirte erleben den Alltag weiterhin als zu bürokra­tisch. Genau deshalb ist der Bürokra­tie­abbau als Dauer­auf­gabe struk­tu­rell verankert worden – mit einem Bund-Länder-Begleit­gre­mium und einer Stabs­stelle im Minis­te­rium.

Konkrete Entlas­tung ist die Abschaf­fung der Stoff­strom­bi­lanz­pflicht; das spart laut Unter­lagen rund 18 Millionen Euro pro Jahr. Ich arbeite dazu auch innerhalb der CDU/CSU-Bundes­tags­frak­tion in der AG Landwirt­schaft mit – und dort ganz gezielt in einer Unter-AG zum Bürokra­tie­abbau. Unser Anspruch ist spürbare Entlas­tung, nicht nur Überschriften. Gleich­zeitig gehört zur Ehrlich­keit: Ein großer Teil der Kraft wird aktuell darauf verwendet, neue Bürokratie überhaupt zu verhin­dern, bevor sie entsteht. Das ist notwendig, weil jede neue Berichts­pflicht und jede zusätz­liche Kontrolle Entlas­tung sofort wieder auffrisst. Darum ist Bürokra­tie­abbau kein Sprint, sondern ein Ultra­ma­ra­thon. Genau dafür brauche ich auch weiter Unter­stüt­zung: Bitte senden Sie mir konkrete Vorschläge, welche Melde­pflicht, welche Kontrolle, welches Formular oder welche Doppel­struktur Sie im Alltag als besonders hinder­lich erleben. Je konkreter der Punkt, desto größer die Chance, ihn tatsäch­lich zu ändern.

Ein Thema, das gerade im ländli­chen Raum zusätz­lich bewegt, ist der Schutz der Weide­tier­hal­tung. Die Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht wird als Schritt zu mehr Rechts­si­cher­heit und prakti­ka­blen Regeln beschrieben; dort, wo Zäune und Herden­schutz­hunde an Grenzen kommen, soll zielge­nauer gehandelt werden können.

Gesund­heits­po­litik

Auch die Gesund­heits­po­litik war in diesem ersten Jahr ein Schwer­punkt, weil Beitrags­sätze und Zusatz­bei­träge viele Menschen direkt treffen. Das Kabinett hat den Entwurf eines Gesetzes zur Stabi­li­sie­rung der Beitrags­sätze in der gesetz­li­chen Kranken­ver­si­che­rung beschlossen. Ziel ist es laut Minis­te­rium, ein Defizit von rund 15 Milli­arden Euro im kommenden Jahr zu schließen und weitere Beitrags­satz­er­hö­hungen zu verhin­dern. Der Ansatz ist, Vergü­tungs­an­stiege stärker an die Einnah­men­ent­wick­lung zu koppeln, Fehlan­reize zu reduzieren und bei Arznei­mit­tel­aus­gaben stärker zu steuern. Dass solche Eingriffe kontro­vers sind, ist mir bewusst. Mein Maßstab ist: Finanzen stabi­li­sieren und Fehlsteue­rungen korri­gieren, ohne die Versor­gung vor Ort zu gefährden. Dieses Gleich­ge­wicht wird im parla­men­ta­ri­schen Verfahren entschei­dend sein.

In diesem Kontext wird auch über eine Abgabe auf zucker­ge­süßte Getränke disku­tiert. Nach den vorlie­genden Unter­lagen ist das ausdrück­lich kein Teil des aktuellen Gesetzes, sondern soll in einem separaten Verfahren ab 2028 kommen; als Größen­ord­nung werden rund 450 Millionen Euro pro Jahr genannt. Für unseren Wahlkreis ist das sensibel, weil wir Zucker­rü­ben­an­bau­ge­biete haben. Präven­tion ist richtig – aber sie darf nicht in Symbol­po­litik kippen, die ganze Wertschöp­fungs­ketten stigma­ti­siert oder regionale Betriebe trifft, ohne nachweis­lich wirksam zu sein. Wenn dieses Thema weiter­ver­folgt wird, braucht es Zielge­nau­ig­keit, eine ehrliche Wirkungs­prü­fung und Fairness gegenüber den Betrieben hier vor Ort.

weitere Themen

Ein weiteres Feld, in dem Politik konkret schützen muss, ist der Gewalt­schutz. Mit dem Gesetz zur Einfüh­rung der elektro­ni­schen Aufent­halts­über­wa­chung und der Täter­ar­beit im Gewalt­schutz­ge­setz wird ein klarer Rahmen geschaffen, um Annähe­rungs­ver­bote wirksamer zu überwa­chen und Verstöße frühzeitig zu unter­binden. Das stärkt den präven­tiven Opfer­schutz und verlagert Verant­wor­tung dorthin, wo sie hingehört: zu den Tätern. Häusliche Gewalt kann jede Familie, jede Nachbar­schaft und jede Kommune treffen. Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass Schutz­an­ord­nungen nicht nur ausge­spro­chen werden, sondern künftig besser durch­setzbar sind.

Zur Wahrheit einer Bilanz gehört auch, wenn Vorhaben nicht so laufen, wie man es sich wünscht. Ein Beispiel ist die steuer­freie Entlas­tungs­prämie von bis zu 1.000 Euro, die Arbeit­geber ihren Beschäf­tigten hätten zahlen können. Der Bundesrat hat dem Gesetz nun die Zustim­mung verwei­gert, damit kommt die Prämie vorerst nicht. Das ist für viele enttäu­schend, die sich schnelle, einfache Entlas­tung erhofft haben. Gleich­zeitig zeigt die Entschei­dung: Entlas­tung muss nicht nur gut gemeint, sondern im föderalen System auch finan­ziell sauber konstru­iert sein – sonst fehlt am Ende die Mehrheit.

Gerade in Krisen­zeiten kippen Stimmungen schnell: Wenn Energie­preise steigen, Unsicher­heit wächst und der Eindruck entsteht, Politik reagiere zu langsam, entsteht Frust. Populis­ti­sche Kräfte setzen genau dort an. Sie nutzen Krisen, um sich selbst zu legiti­mieren – nach dem Muster: „Die demokra­ti­sche Mitte ist überfor­dert und hat das Land nicht mehr im Griff.“ Anschlie­ßend wird die Reaktion der Regierung als Beleg genutzt, dass „die da oben“ nicht auf der Seite der Menschen stünden, sondern auf der Seite von „Eliten“ oder „anderen“.

Die AfD folgt diesem Drehbuch seit Jahren besonders konse­quent: groß geworden aus der Eurokrise, neu aufge­laden in der Migra­ti­ons­krise, weiter befeuert über Protest­stim­mungen in der Pandemie – und nun erneut über die wirtschaft­li­chen Folgen von Krisen, etwa bei Energie- und Lebens­hal­tungs­kosten. Es geht dabei weniger um Lösungen als um „Krisen­un­ter­neh­mertum“: Jede neue Lage wird zur nächsten Gelegen­heit, Misstrauen zu verstärken und einfache Parolen gegen komplexe Realität zu setzen.

Die beste Antwort darauf ist nicht Empörung, sondern Handlungs­fä­hig­keit. Wir müssen zeigen, dass der Staat auch in schwie­rigen Zeiten steuern kann – mit verläss­li­cher Infra­struktur, bezahl­barer Energie, stabilen Sozial­ver­si­che­rungen und spürbar weniger Bürokratie. Nicht alles ist sofort lösbar, vieles ist ein Marathon. Aber wir dürfen keine Zeit verlieren, wenn es darum geht, Krisen­folgen abzufe­dern und Vertrauen durch konkrete Ergeb­nisse zurück­zu­ge­winnen.

Wahlkreis

Bei all den großen Linien ist mir wichtig, dass auch im Wahlkreis ganz konkrete Projekte voran­kommen. Für Helmstedt gibt es beim Denkmal­schutz eine sehr gute Nachricht: Der Haushalts­aus­schuss hat im Denkmal­schutz-Sonder­pro­gramm XIV eine Bundes­för­de­rung von 150.000 Euro für die weitere Sanierung des Juleums bewilligt. Die Mittel fließen in den fünften und abschlie­ßenden Bauab­schnitt; dabei sollen vor allem Fassaden und Giebel instand­ge­setzt sowie der histo­ri­sche Bauschmuck gesichert werden. Gerade weil das Programm bundes­weit stark überzeichnet war, ist diese Förderung ein wichtiges Signal für Helmstedt und den Erhalt unseres kultu­rellen Erbes.

Ebenso erfreu­lich sind Mittel für die Sport­in­fra­struktur: Aus dem Bundes­pro­gramm „Sanierung kommu­naler Sport­stätten“ fließen 750.000 Euro in die Gemeinde Lehre für die Sanierung des Kunst­ra­sen­platzes. Zusätz­lich erhält der Landkreis Gifhorn 990.000 Euro für die Sanierung der Sport­halle Vordorf-Rethen. Dass beide Vorhaben berück­sich­tigt wurden, ist angesichts der bundes­weit sehr hohen Überzeich­nung ein greif­barer Erfolg – und ein wichtiges Bekenntnis zu Vereinen, Ehrenamt und Breiten­sport.

Zum Schluss noch ein Wort zum Austausch im Wahlkreis: Ich bin regel­mäßig in Helmstedt, Wolfsburg, Brome und im Boldecker Land unterwegs – bei Betrieben, in Kommunen, bei Vereinen und Initia­tiven, führe anderer­seits immer auch Gespräche mit einzelnen Bürge­rinnen und Bürgern. Nicht nur beim Bürokra­tie­abbau gilt: Je mehr Rückmel­dung aus der Praxis, desto besser können wir in Berlin treffen, was wirklich hilft.

Fazit

Ein Jahr Regie­rungs­ar­beit zeigt: Es wurden Weichen gestellt – bei Infra­struk­tur­in­ves­ti­tionen, bei Entlas­tungen für die Landwirt­schaft, für eine auskömm­liche GKV-Finan­zie­rung. Aber wir sind noch nicht am Ziel. Der Maßstab bleibt, ob Politik den Alltag spürbar leichter macht, Sicher­heit erhöht und wieder Vertrauen verdient. Daran werde ich meine Arbeit auch im zweiten Jahr konse­quent ausrichten.

Herzliche Grüße
Ihr und Euer
Alexander Jordan
Mitglied des Deutschen Bundes­tages
für Helmstedt, Wolfsburg, Brome und das Boldecker Land